EKATERINA MORÉ


Ekaterina Moré, Acryl / Leinwand, "Women with Cocktails" 80 x 100 cm 



Ekaterina Moré:
Eine Huldigung an das Leben in unserer Zeit - Ekaterina Moré und ihre prismatischen Bilder

Seit 1995 lebt Ekaterina Moré mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter im Rheinland. Sie stammt aus einer russischen Künstlerfamilie und wurde in St. Petersburg geboren. Im Fernen Osten Russlands, auf der Halbinsel Kamtschatka und in Wladiwostok, wuchs sie auf.
Sie hatte gerade das Teenageralter erreicht als sie 1990 mit den Eltern in ihre Geburtsstadt zurückkehrte, um dort die Schulausbildung zu beenden. Von der Natur der subarktischen Zone des Riesenlandes träumt Ekaterina Moré jedoch auch heute noch. Die intensiven Farbtöne, welche die Atmosphäre dieser entlegenen Weltgegend prägen, beflügeln ihre Fantasie. Wie auf Teneriffa seien dort die Böden vulkanisch schwarz und die kurzen Sommer seien, wie sie bei einem Gespräch in ihrem Atelier in Neuss erzählte, voller Blütenpracht. Trotz ihrer Sensibilität für die Natur, hat sich Ekaterina Moré in ihrem Werk jedoch nicht der Landschaft, sondern dem Menschen verschrieben, genauer gesagt der Frau in der modernen Welt.

Ihre Bilder verbreiten Optimismus und Lebensfreude und somit positive Energien, weil sie als Symbolbilder für die gelungene Identifikation mit den vielfältigen Erscheinungsformen des modernen Lebens angesehen werden können. Ekaterina Morés Werk beleuchtet somit ihr ganz persönliches Verhältnis zu diesen Erscheinungsformen, denn im Aussehen der schlanken, langhaarigen Frauengestalten, die in ihren Bildern immer wieder auftaucht, ist der Selbstbezug nicht zu übersehen. Dieser Selbstbezug bleibt übrigens trotz der starken Typisierung der Figur erhalten. Vorbilder für solche Stilisierungen findet man vor allem bei Tamara de Lempicka, die von Ekaterina Moré sehr bewundert wird. Im Gegensatz zu de Lempickas Figuren wirken Ekaterina Morés Protagonistinnen jedoch nicht akzentuiert kühl, sondern warmherzig. In ihrer Kunst wie im Alltag sucht die Künstlerin vor allem die positiven Potentiale. Die Botschaft ihrer Bilder könnte somit lauten: mache dir diese positiven Potentiale bei der Gestaltung des Lebens zu nutze!

Ekaterina Moré war noch Schülerin als sie in St. Petersburg, das damals noch Leningrad hieß, die berühmten Sammlungen besuchte und dort viele Anregungen für ihr eigenes künstlerisches Schaffen entdeckte. Neben den Vorbildern aus der Zeit des Postimpressionismus nahm sie aber auch Impulse aus der westlichen Pop-art auf, die in den 90er Jahren in Russland en vogue war. Die optimistischen Farben und die bis zur comic-haften Darstellung der Figur getriebene Abstraktion kommen in ihrem aktuellen Werk zum Tragen. Bei ihren ersten Arbeiten hingegen hatten die Murnau-Landschaften von Wassily Kandinsky Pate gestanden. Dessen Weg zur Abstraktion folge sie aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Sie brauche die Figur, denn mit der Figur käme emotionale Wärme ins Bild, erklärt Ekaterina Moré. Diese emotionale Wärme vermittelt sich nicht nur über die offenkundige  erotische Symbolik, sondern vor allem über das Zusammenspiel der leuchtenden Farben, die wie Puzzleteile zusammengesetzt sind.

Dieser mosaikartige Aufbau ist für den Ausdruck des Werkes der Künstlerin ebenso charakteristisch wie das "Cloisonné", die mit schwarz gezogene Linie, welche sowohl einzelne Partien der Figur umschließt als auch das Umfeld, in welches die Figur eingebettet ist. Diese Technik verleiht der Bildfläche einen prismatischen Charakter. Figur und Raum verschmelzen zu einer dekorativen Einheit. Historisch steht das "Cloisonné" für eine symbolistische Richtung, welche sich aus dem Postimpressionismus heraus entwickelte. Paul Gauguin, von dem es mehrere bedeutende Meisterwerke in der St. Petersburger Eremitage gibt, gilt als Wegbereiter des "Cloisonnés" in der Malerei.
Einen dirketen Bezug zwischen Ekaterina Morés zeitgenössischer Malerei und diesem historischen Vorbild gibt es freilich nicht. Es sind, wie eingangs erwähnt, in erster Linie Bilder, die aus ihrem Innern kommen und die, sehr ansprechend, in Malerei umgesetzt werden.
Ekaterina Morés Malerei spricht die Menschen unmittelbar an, gleich aus welchem kulturell geprägten Umfeld sie kommen, denn Werke von ihr befinden sich bereits in Sammlungen in vielen Ländern der Welt.

Dr.Orpel