Farbradierung auf Papier, „Berlin-Spiegelung“ 63 x 79,5 cm, Auflage: 75 Exemplare

Gottfried Salzmann
"Berlin-Spiegelung"
Farbradierung auf Papier
63 x 79,5 cm

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Gottfried Salzmann wurde im Februar 1943 in Saalfelden am Steinernen Meer geboren. In seiner Jugend verließ der Künstler Salzburg um an der Akademie der bildenden Künste bei Max Melcher und Sergius Pauser zu studieren. 1965 absolvierte Salzmann einen ersten Auslandsaufenthalt in Paris an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts. 1971 wählte Salzmann Paris zu seinem Lebensmittelpunkt. 2011 wurde dem österreichischen Künstler das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Gottfried Salzmann beherrscht die Aquarellmalerei wie kaum ein anderer. Er schaffte durch dieses hoch entwickelte Verständnis des Aquarells ein neues Leitbild. Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Albertina, formuliert Salzmanns Einzigartigkeit folgendermaßen: „Für die Albertina zählt die museumseigene Sammlung an Salzmann Aquarellen zum kostbarsten Schatz. Salzmann behauptet sich in der Kette von Albrecht Dürer über Josef von Alt bis zum späten Klee als legitimer Erbe und Nachfolger, nicht als Epigone. Mit Gottfried Salzmann wurde nicht nur eine scheinbar längst abgegraste Gattung wie jener der Landschaftskunst und Stadtvedute, sondern auch die unerschöpflichen Möglichkeiten einer zu Unrecht in den Hintergrund getretenen Technik rehabilitiert.“ Auf der Suche nach Motiven und deren Umsetzung wendet Gottfried Salzmann sich, als einer der ersten Aquarellmaler nach 1945, anderen Kunstrichtungen der modernen und zeitgenössischen Kunst zu. „Salzmann unternahm es, wesentliche Erkenntnisse des modernen Bilddenkens für das davon kaum berührte Gebiet des Aquarells fruchtbar zu machen. Dazu gehört vor allem, dass die Bildmittel nicht vollständig im Dienst am Motiv aufgehen, sondern sich von diesem emanzipieren und eine eigene Sprache ausbilden.“(Nikolaus Schaffer, Leiter der Sammlung bildender Kunst, Salzburg Museum).

So können zum Beispiel Tendenzen des Abstrakten Expressionismus und des Colour Field Paintings in den Werken Salzmanns ausgemacht werden. In diesen wird das Motiv auf den gesamten Bildraum ausgedehnt. Zwar bleibt dieses deutlich zu erkennen, die Abstraktion wird nicht sehr stark betont, jedoch muss das Auge die kaleidoskopartigen Verschiebungen des Motives, das in Splitter aufgeteilt wird, erst wieder herstellen. Somit entsteht eine Spannung, die das gewohnte Bilddenken eines Aquarells aufbricht.
Ebenso ins Abstrakte führen Stadtansichten, wenn sich Häuserfassaden und Dächer in einen Rhythmus von Flächen einfügen. Das Flächenspiel wird durch realistische und fein ausgeführte Details aufgebrochen.

Im Bereich der Grafik entwickelte der Künstler die Technik des Photeauforte. Sie ist eine Mischung aus Fotografie und Radierung. Die glatte Oberfläche des Fotos wird dabei von der rauen Ätzung des Druckes komplementiert. Dadurch entsteht eine ganz eigene atmosphärische Wirkung. Im Gegensatz zu den reinen Fotoübermalungen, bei denen sich die beiden Ebenen nicht durchdringen, sondern sich herausfordern umspielen. „Wo immer wir Salzmann begegnen, ist er ein unaufdringlicher Anstifter zu Irritationen, der Gegensätze in Anziehungskräfte, Brüche in oszillierende Kongruenzen verwandelt.“(Nikolaus Schaffer).